Matthias Pirker gründet eine Werbeagentur für Winzer:innen

  • Matthias Pirker 2 © Sascha Wissner
  • Matthias Pirker © Peter Louis
  • Matthias Pirker & Friends © Creasol

Matthias Pirker arbeitet seit vielen Jahren für ein bekanntes Magazin, das sich mit Wein und Kulinarik beschäftigt. Aus dieser Erfahrung heraus und seiner Begeisterung für gute Weine , hat er mit creasol und caskme.com eine Werbeagentur sowie einen Online-Shop für Winzer:innen gegründet. Wie es dazu kam und wie es ihm damit geht, lesen sie im folgenden Interview. 

Wienwork: Hallo Matthias, stell dich bitte unseren Leser:innen vor?

Hallo, danke für die Einladung! Mein Name ist Matthias Pirker, ich bin 45 Jahre alt und komme aus Kärnten. Ich habe im Jahr 2025 eine Winzerwerbe- und Vertriebsagentur gegründet und bin blind.

Wienwork: Bitte beschreibe uns, was eine Winzerwerbeagentur macht?

Ich biete Dienstleistungen wie eine Werbeagentur an, wie z.B. Marketing und Social Media Kampagnen spezialisiert auf Winzer. Das funktioniert bei mir über ein Serviceabomodell auf monatlicher Basis.

Mein zweites wirtschaftliches Standbein ist der Handel: Ich vertreibe die Weine meiner Kund:innen Online über caskme.com und direkt bei Gastronomen. In der Gastronomie veranstalte ich auch Weinverkostungen oder organsierte die Weinbegleitung zu Veranstaltungen. Es ist Teil meines Angebots, das mich von meinem Mitbewerb unterscheidet. Bei mir haben die Winzer eine Ansprechperson für Vertrieb und Marketing. Ich nenne es „360 Grad Betreuung“.

Wienwork:  Wie ist die Idee dazu entstanden?

Ich arbeite seit 10 Jahren bei einem Verlag, der ein bekanntes Weinmagazin publiziert. Aus dieser Tätigkeit kenne ich die Weinbranche sehr gut. Ich habe in dieser Zeit wichtige Kontakte mit Winzern der Gastronomie knüpfen können. Ich beschäftige mich auch privat sehr gerne mit dem Thema Wein. Die Möglichkeiten der neuen Medien faszinieren mich schon lange. Dann kommt noch meine Begeisterung für den Verkauf dazu. Und aus dieser Gemengelage aus Interessen und Erfahrungen ist meine Geschäftsidee entstanden, mich noch zusätzlich zu meiner bestehenden Anstellung selbständig zu machen.

Meine wichtigsten Ressourcen in diesem Zusammenhang sind die persönlichen Kontakte zu Kund:innen. Ich hatte vor dem Start schon einige Kund:innen und Veranstaltungen akquiriert. Was mir auch sehr geholfen hat: ich habe meine Firma in Kärnten gegründet und dort familiäre Unterstützung. Das hat mir sehr geholfen.

Wienwork: Was treibt dich an?

Es macht mir Spaß selbst etwas aufzubauen und zu schauen, ob es funktioniert. Mein Ziel ist, eines Tages nur von meiner Agentur leben zu können. Ein weiteres Ziel ist die Beschäftigung von Mitarbeiter:nnen in meiner Firma. All das motiviert mich auch durchzuhalten und weiter an meiner Geschäftsidee zu arbeiten.

Wienwork: Erzähle bitte von deinen Gründungserfahrungen?

Ich habe vor genau einem Jahr mein Unternehmen gegründet. Die Vorarbeiten haben aber beinahe 2 Jahre gedauert. Ich habe in dieser Vorbereitungsphase auch bei der wienwork Gründungsberatung Feedback für mein Konzept geholt.

Den Start fand ich nicht so herausfordernd. Du hast überall deine Ansprechpersonen wie z.B. die Wirtschaftskammer oder auch die Gründungsberatung von wienwork, die mich gut unterstützt haben. Hinzu kommt, dass die Unternehmensgründung in Österreich schon voll digital möglich ist. Das ist v.a. für blinde und sehbehinderte Menschen sehr hilfreich.

Wienwork: Was war deine größte Herausforderung?

Ich war zu Beginn zu optimistisch. Ich dachte das Unternehmen würde schneller wachsen. Da ich noch in Beschäftigung bin, habe ich nur eine bestimmte Zeit für mein Unternehmen zur Verfügung. Ein weiterer Faktor ist der Bekanntheitsgrad, den ich mir erst aufbauen musste. Im Lavanttal, wo mein Unternehmen angesiedelt ist, gibt es in dem Bereich keinen Mitbewerb, da bin ich Pionier. Deshalb war es wichtig einfach mal zu starten und die Region zu entwickeln. Der Zeitfaktor spielt mir dabei in die Karten. Ich arbeite an meinem Bekanntheitsgrad, baue die Marke auf und je mehr Winzer ich von meiner Idee überzeugen kann, desto mehr Interesse entsteht in der Branche. Was ich unterschätzt habe, ist, wie lange dieser Markenaufbau braucht.

Wienwork: Bitte erzähle uns von deinem größten Erfolg?

Ich erzähle euch, was mir an meiner Arbeit am meisten Spaß und Freude bereitet. Wenn ich eine gut besuchte Veranstaltung organisiere, und der Wein wird von den Gästen gelobt und dann freue ich mich. Wenn sie dann auch noch eine Bestellung bei mir tätigen, dann weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe. Das sind meine großen Erfolgserlebnisse, die mich auch immer wieder motivieren weiterzumachen.

Ein anderes Erfolgserlebnis der letzten Wochen waren Winzer, die sich jetzt doch dazu entschieden haben mit mir zu arbeiten. Ich konnte heuer schon zwei neue Kund:innen gewinnen, die sich erst entschieden haben, nachdem sie gesehen haben, dass ich gut Arbeit mache. Das bestärkt mich ebenfalls.

Wienwork: Wie war der Schritt in die Selbstständigkeit für dich?

Für mich überwiegt das Positive. Ich freue mich zu 80% über meine Entscheidung. Die verbleibenden 20% der Zeit denke ich mir: es ist sehr viel Arbeit. Aber man gewinnt einfach viel Freiheit im Entscheiden und Umsetzen. Man ist selbst der wichtigste Faktor für seinen Erfolg. Diese Verantwortung gefällt mir und lerne jeden Tag dazu!

Wienwork: Wie blickst du in die Zukunft?

Mein mittelfristiges Ziel ist weiter zu wachsen, sowohl beim Umsatz wie auch bei der Kund:innenzahl. Ich möchte dann Personal einstellen, mich in 4-5 Jahre komplett auf die Selbstständigkeit konzentrieren und dann meinen Job kündigen. Auf dieses Ziel arbeite ich hin. Ich halte das Ziel noch immer für realistisch, ich hatte es zu Beginn aber zu optimistisch eingeschätzt. Mir ist es wichtig nachhaltige Kund:innenbeziehungen aufzubauen und nicht um jeden Preis zu wachsen.

Wienwork: Hast du Tipps für andere Gründer:innen?

Ich glaube es ist wichtig, sich über sein eigenes Angebot und Produkt im Klaren zu sein. Was ist meine USP und wie möchte ich mich gegenüber der Konkurrenz positionieren? Ich würde auch dazu raten möglichst viel Vorlaufzeit einzuplanen. Nehmt euch genug Zeit, um das Projekt zu planen und auch Risikostrategien zu entwickeln.

Tauscht euch viel mit anderen Firmen und anderen Gründer:innen aus. In diesen Gesprächen bekommt man gute Tipps, Inspiration und Ideen. Dieser Austausch ist immer gut, wenn man wo nicht weiterkommt. Holt euch Erfahrungen von anderen Gründer:innen und lernt davon.

Wienwork: Wie hast du die Unterstützung der Gründungsberatung erlebt?

Ich habe gutes und wertvolles Feedback für meine Idee erhalten. Mir war auch wichtig, dass ich von einem Experten Feedback zu meinem Business Plan erhalte. Ich weiß es zu schätzen, dass es hier eine kompetente Ansprechperson gab, die noch dazu gratis ist.

https://www.caskme.com/

 

 

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