Interview mit Trafikantin Silvia Bendl-Lauditsch
Wir starten mit diesem Interview eine neue Serie. Es geht in diesen Interviews darum zu zeigen wie es Gründer:innen nach einigen Jahren der Selbstständigkeit geht, welche Erfahrungen sie gesammelt haben und welche Tipps sie für angehende Unternehmer:innen haben. Für das erste Interview haben wir mit einer erfahrenen Trafikantin im 23. Bezirk gesprochen: Silvia Bendl-Lauditsch. Viel Spaß beim Lesen!
Wienwork: Liebe Frau Bendl-Lauditsch, vielen Dank für die Zeit. Bitte erzählen Sie unseren Leser:innen wie es Ihnen jetzt geht?
Mir geht es heute sehr gut. Natürlich gibt es auch nach sieben Jahren noch Herausforderungen im Alltag, aber ich gehe inzwischen viel ruhiger und erfahrener damit um. Am Anfang war vieles neu und man hat oft an sich gezweifelt. Heute weiß ich, wie ich mit stressigen Situationen umgehen muss und habe meinen eigenen Rhythmus gefunden. Besonders schön ist es zu sehen, was man sich über die Jahre aufgebaut hat – beruflich, aber auch privat.
Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung für meinen Standort. Ich bin zwar noch in Wien, aber es ist schon sehr ländlich. Die Lage ist großartig, wodurch ich beide Welten (sowohl Wohngebiet als auch Firmen) habe. Die Geschäftsgröße ist gut und die Kosten sind dank der Gemeinde Wien sehr niedrig, was für meine 40m²perfekt ist. Ich habe drei Garagenplätze direkt unter dem Geschäft, welche eine große Erleichterung für mich und meine Mitarbeiter:innen ist.
Meine Erfahrung aus meiner früheren Tätigkeit hat mir gerade zu Beginn sehr geholfen auch Arbeitsabläufe effizient zu gestalten und Routinen zu entwickeln, die uns allen helfen einen guten Überblick und die Kontrolle zu behalten. So passieren auch die wenigsten Fehler.
Wienwork: Wie hat sich Ihr Leben seit der Trafikübernahme verändert?
Die Selbstständigkeit hat mein Leben komplett verändert. Früher war vieles theoretisch, heute trägt man jeden Tag Verantwortung – für den Betrieb, für die Mitarbeiter:innen und natürlich auch für die Kund:innen. Mit der Zeit lernt man aber, Prioritäten zu setzen und den Alltag besser zu organisieren. Die Trafik ist mittlerweile ein großer Teil meines Lebens geworden und ich bin stolz darauf, was daraus entstanden ist.
Meine finanzielle Situation hat sich durch die Trafikübernahme deutlich verbessert. Mein Umsatz hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt, das hat auch dazu geführt, dass es mir gut geht.
Ich konnte auch meine Familie für die Arbeit in der Trafik begeistern. Ich beschäftige meine Schwester, meine beiden Töchter und eine externe Mitarbeiterin in der Trafik. Meine jüngste Tochter hat als Lehrling bei mir in der Trafik begonnen und wird sie vielleicht auch später einmal übernehmen.
Im Alltag steht die Zusammenarbeit im Vordergrund. Familie macht es wegen Beziehungen schwierig, aber wir haben es geschafft, dass wir alle an einem Strang ziehen. Das Alter war ebenfalls eine Herausforderung, da von 18 bis 53 ist alles dabei. Ich musste lernen mich klar abzugrenzen. Jetzt sind wir ein gut eingespieltes Team, alle wissen was zu machen ist und übernehmen die Aufgaben eigenverantwortlich. Mir war wichtig alle gleich zu behandeln. Dienstpläne, Urlaubspläne, Zeitaufzeichnungen sind für alle gleich gestaltet, obwohl ich als Familienbetrieb für die Familienmitglieder nicht dazu verpflichtet bin und auch externe Mitarbeiter:innen sehen, dass alle fair und gleich behandelt werden.
Wienwork: Wie stehen Sie heute zu Ihrer Entscheidung eine Trafik übernommen zu haben?
Ich würde diese Entscheidung jederzeit wieder treffen. Natürlich gab es schwierige Zeiten und Momente, in denen man viel Geduld gebraucht hat – besonders in den ersten Jahren. Aber genau diese Erfahrungen machen einen stärker. Für mich war die Übernahme der Trafik ein wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit und auch in die persönliche Entwicklung. Man wächst mit den Aufgaben und lernt jeden Tag dazu. Aber langfristig hat es sich sehr positiv entwickelt.
Wienwork: Was braucht es, um erfolgreich zu sein?
Man braucht vor allem Ausdauer und Disziplin. Viele unterschätzen, wie viel Arbeit hinter einer Trafik steckt. Es geht nicht nur ums Verkaufen, sondern auch um Organisation, Verantwortung und den täglichen Umgang mit Menschen. Freundlichkeit, Verlässlichkeit und ein gutes Gespür für Kund:innen sind sehr wichtig. Gleichzeitig muss man bereit sein, ständig dazuzulernen und flexibel zu bleiben.
Ich halte es für wichtig die Umgebung und die Kund:innen kennenzulernen. Für was interessieren sich die Kund:innen. Sollte ich Produkte nicht auf Lager haben, dann kann ich sie gerne bestellen. In Gesprächen und beim Zuhören erfährt man sehr viel. Das Feedback der Kund:innen nehme ich sehr ernst und sollte es Wünsche oder Kritik gehen, dann gehe ich darauf ein. Falls etwas nicht möglich ist, dann erkläre ich, wieso ich das nicht machen kann. So können es die Kund:innen auch gut nehmen.
Wienwork: Wie haben Sie ihren Alltag strukturiert?
Grundsätzlich kommt das Sprichwort „selbst und ständig“ nicht von ungefähr. Zu Beginn ist von ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die man selbst bewältigen muss.
Heute ist mein Alltag viel strukturierter als noch am Anfang. Damals musste ich erst lernen, alles unter einen Hut zu bringen. Mittlerweile habe ich feste Abläufe und plane vieles bewusster. Trotzdem bleibt kein Tag gleich – genau das macht den Beruf auch abwechslungsreich. Man lernt mit der Zeit, spontaner zu reagieren und trotzdem organisiert zu bleiben.
Im Geschäft stehen für mich Sauberkeit, Warenpräsentation und Freundlichkeit im Vordergrund. Wenn sich Produkte nicht drehen, dann versuche ich sie im Kassenbereich neu aufzustellen (Impulskäufe) Generell empfehle allen das Sortiment nach Warengruppen zu präsentieren. So kann ich den Kund:innen mehr Übersicht und Orientierung bieten. Mir ist auch wichtig, dass wir unsere Kundschaft durch unsere Freundlichkeit gut abholen. Zufriedenheit wird weitererzählt.
Wienwork: Haben Sie Tipps für angehende Trafikant:innen?
Man sollte sich vor der Entscheidung wirklich gut informieren und sich bewusst machen, dass Selbstständigkeit viel Verantwortung bedeutet. Gleichzeitig ist es aber auch eine große Chance, sich etwas Eigenes aufzubauen. Ich möchte hier meine Erfahrungen teilen, die ich in den letzten sieben Jahren gesammelt habe.
Ich versuche das Automatengeschäft an meinen ländlichen Standort anzupassen. Auch bei den Automaten ist es wichtig zu kontrollieren, welche Produkte sich drehen und welche nicht. Wenn sich Produkte nicht mehr so schnell drehen, dann ist es notwendig das Sortiment zu verändern. Ich empfehle auch genau zu prüfen mit welcher Firma man die Automatenverträge macht.
Zum Thema Zeitungen/Zeitschriften: ich weiß viele Trafiken haben diese Produktgruppe nicht mehr im Angebot. Mir war es wichtig das Zeitungsangebot an die Nachfrage anzupassen und keinen Platz zu verschwenden. Vor allem ältere Personen lesen noch viel und kommen so ins Geschäft und tätigen zusätzlich Impulskäufe. Ich kann so also eine weitere Zielgruppe ansprechen.
Ich empfehle allen die Einkaufspreise gut zu vergleichen und auch mit Vertretern zu sprechen.
Was die Kassa angeht, habe ich mich vor sieben Jahren für POStronik entschieden. Mir war Zeitersparnis das Wichtigste, da Zeit mein größtes Gut ist. Wir haben unsere Kassensystem und die Warenwirtschaft so lange weiterentwickelt, bis es auch für uns gepasst hat. Das System musste auf mich zugeschnitten werden, weil ich sieben Automaten betreibe. Mir war auch wichtig immer denselben kompetenten Ansprechpartner zu haben.
Ich habe mir im System einen Button anlegen lassen, der mir auf Knopfdruck zeigt, was sich innerhalb der letzten fünf Wochen nicht bewegt hat. So kann ich Ladenhüter leicht erkennen und abverkaufen.
Ich werde in meinem Geschäft die digitale Preisauszeichnung einführen. Damit kann ich mir zukünftig viel Zeit ersparen. Besonders der Humidor kostet mich viel. Zukünftig kann ich die Preise auf Knopfdruck ändern.
Für die Inventur und das Lagermanagement habe ich mir Handscanner angeschafft. Wir haben viel Ware auf Lager und das in vielen verschiedenen Warengruppen. Die Software kann zwischen Stangenware und Einzelpackung unterscheiden, dadurch passieren weniger Fehler. Das erleichtert die Inventur massiv. Die Scanner können für die Warenübernahme und vieles mehr genutzt werden.
Auch bei der Bank habe ich gelernt, dass es Verhandlungsspielraum gibt. Auch hier empfehle ich die Konditionen genau zu prüfen und immer wieder neu verhandeln und verbessern. Ein Business Plan ist für den Start wichtig und empfehlenswert. Der Plan hat mir besonders zu Beginn Orientierung geboten. Die Planung von Herrn Weissinger ist zu 100% eingetreten. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle nochmal bedanken.
Ein guter Steuerberater ist sehr wichtig! Es gibt Steuerberater, die verrechnen eine Pauschale, andere nach Buchungszeilen. Was ist alles in der Pauschale enthalten? Ist Jahresabschluss auch dabei? Ich schätze die Beratung über steuerliche Möglichkeiten. Am besten ihr sucht euch einen, der sich auch mit Arbeitsrecht auskennt. Da sparen alle, aber meiner Meinung nach am falschen Ende. Mir ist es wichtig immer denselben Ansprechpartner zu haben und das z.B. auch die Urlaubsvertretung geregelt ist.
Wienwork: Welche Ziele haben Sie noch?
Mein Ziel ist es, die Trafik weiterhin erfolgreich und mit Freude zu führen. Gleichzeitig möchte ich in Zukunft mehr Verantwortung abgeben und gewisse Abläufe weiter optimieren. Mir ist wichtig, dass die Arbeit auch nach vielen Jahren noch Spaß macht und man motiviert bleibt. Langfristig ist das Ziel die Trafik an die Tochter, die ebenfalls gesundheitliche Einschränkungen hat, weiterzugeben.
Ich arbeite auch daran den Umsatz weiter nach oben zu bringen. Ich habe z.B. eine Leuchtschrift an der Fassade montiert. Diese ist von weitem ersichtlich, dort kann ich über neue Produkte, neue Angebot oder Aktionen informieren. Dadurch, dass sie auch aktuelle Informationen zeigt wie z.B. Uhrzeit, Datum und Temperatur, schauen die Menschen automatisch hin. Ich hätte mir nicht gedacht, dass die so stark wahrgenommen wird.
Wienwork: Wie wichtig ist die Standortwahl?
Ich empfehle Gespräche mit Expert:innen, die den Standort beurteilen können. Mit der Standortwahl entscheide ich über meine wirtschaftliche und private Zukunft. Umsatz alleine sagt noch nichts aus. Miete, Personal, Kredit etc. Kosten bleiben leider viel zu häufig unberücksichtigt. Unser Standort zeichnet sich durch eine gute Lage mit einem Wohngebiet und einem Industriegebiet im Umfeld aus. Die Kund:innen haben die Möglichkeit vor dem Geschäft mit dem Auto stehen zu bleiben, weil wir Parkplätze mit nur 10 Minuten Halten haben. Ich bin mit meiner Entscheidung sehr zufrieden.
Wienwork: Gibt es noch etwas, dass Sie sagen wollen?
Selbstständig zu sein ist nicht immer einfach, aber es kann sehr erfüllend sein. Rückblickend bin ich froh, diesen Weg gegangen zu sein. Man lernt unglaublich viel über sich selbst und entwickelt sich ständig weiter. Wenn man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und dranzubleiben, kann man sehr viel erreichen.
Wichtig finde ich das Bewusstsein zu entwickeln, dass Fehler erlaubt sind und auch passieren werden. Wichtig ist auch, daraus zu lernen und es zukünftig besser zu machen.
Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei unseren Geschäftspartnern POStronik, JTI, Moosmayr, Plattner, TOB, BAT und Trup Design bedanken. Ich fühle mich von ihnen als Unternehmerin sehr wertgeschätzt.
Ein ganz großes Lob geht an Herrn Weissinger! Nicht nur wegen seiner fachlichen Kompetenz, sondern auch wegen seiner Menschlichkeit. Herr Weissinger wird von vielen Trafikant:innen sehr geschätzt. Seine fachliche und ehrliche Beratung bezüglich, Bilanzen, Aufstiegstrafik und Potentialen von Trafiken ist am Markt einmalig. Ich wende mich auch heute noch gerne an ihn.



